Strom sparen am Fernseher

In letzter Zeit kam des öfteren das Thema „Standbystrom sparen“ auf. Beim Fernseher werde ich da in etwa so kirre wie Mario:

Ich erinnere mich dass meine Eltern früher so ein Gerät in der Steckdose hatten, welches beim Ausschalten (per Fernbedienung) des Fernsehers diesen komplett von der Steckdose kappt. Das Ding sah aus wie eine Zeitschaltuhr o.ä. was man in die Steckdose stecken kann.

Heute haben Sie das Teil aber nicht mehr angeschlossen. Der Grund: Das Ding ist kaputt.

Zum Glück wird bei uns aber nix weggeschmissen und so habe ich das Teil nach etwas Suchen auch gefunden. Auf der Rückseite sieht man den Produktnamen „ecosave“ und die Firma „VIGOR Gesellschaft für Energiespartechnik mbH“:

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Nunja, die Firma scheint vor langer Zeit pleite gegangen zu sein. Aber in einer ihhhbäähh Auktion habe ich einen Händler gefunden der auf der Auktionsseite einen Scan der Anleitung zu dem Teil anbietet.

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Leider leuchtet beim drücken des kleinen Tasters im „Satellit“ garnichts. Interessant finde ich die Beschreibung der Wirkungsweise:

Die Aufgabe wird durch ecosave in der Art gelöst, dass die Einschaltenergie für das Gerät vor dem Ausschalten in einem Akku gespeichert wird (ca. 14 Tage). Mit dieser Energie werden die Fernbedienungsempfängerschaltung und ein bi-stabiler Multivibator, der entweder den Zustand EIN oder AUS speichert, mit Spannung versorgt. Bei Eintreffen des Einschaltsignals durch die Fernbedienung (Remote Control) wird der Akku durch das Umschalten des bi-stabilen Multivibrators über ein Relais entladen, welches das Gerät mit der Netzspannung verbindet.

Außerdem finde sich der Hinweis:

Bei längerer Abwesenheit (z.B. Urlaub) ziehen Sie bitte den Klinkenstecker aus dem ecosave, sonst wird der Speicher entladen.

Das haben meine Eltern mit Sicherheit nicht gemacht.

Und dann wäre da noch:

Falls jedoch einmal die Batterie vollständig entleert wurde, können Sie den VIGOR ecoladekit verwenden.

…. Also gut … in dem Ding muss wohl ein Akku stecken der womöglich völlig leer ist. Wieso die das Gerät so konzipiert haben dass dieser nicht geladen wird verstehe ich nicht ganz – könnte aber darauf hinweisen dass das Gerät in der Tat null Strom verbraucht wenn es aus ist.

Mal sehen:

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Ich sehe ein Relais, einen kleinen Trafo, einen mit der Platine verlöteten Akku, Gleichrichter, Dioden, 78L05 Regler, ein paar Kondensatoren.

Da der Satellit keinen Mucks macht, denke ich dass hier nichtmal die notwendige Versorgungsspannung raus kommt. Der Akku zeigt auf meinem Multimeter 2,85 Volt – also noch nicht ganz tot. Diese Spannung liegt sogar am Satelliten an:

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Also genau genommen 2,38 Volt messe ich am Satelliten. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu wenig für den µC. Also hänge ich den Akku mal direkt an mein gutes altes Duo:

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Um auf Nummer Sicher zu gehen verwende ich das NiMh Programm (ist auf jeden Fall schonender als das NiCd Programm) und gebe mal einen Strom von 0,3 A vor. Schon nach wenigen Sekunden ist die Akkuspannung auf über 5 Volt hoch geschnellt. Ich habe dazu das Ladediagramm aufgezeichnet (vor Jahren habe ich mein Duo mit einem seriellen Ausgang versehen):

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Der Ladevorgang dauerte 47 Minuten und es sind 225mAh rein gegangen. Dabei hat sich der Akku gut handwarm erwärmt, wurde aber nicht heiß. Das heißt meine Wahl von 0,3A Ladestrom war vernünftig. Man sieht im Diagramm auch schön den -du Peak.

Während des Ladevorgangs habe ich mir das Platinenlayout genauer angesehen. Es ist tatsächlich so, dass das Relais im offenen Zustand die komplette Schaltung vom Netz nimmt. Somit kann der Akku natürlich nicht geladen werden. Da aber nur die Ladung aus dem Akku das Relais zum Schließen zu bewegen im Stande ist, scheint das Ding bei leerem Akku tot.

Zuversichtlich wie ich bin habe ich das Gerät nach erfolgreichem Laden des Akkus wieder zusammen geschraubt und in die Steckdose gesteckt. Der Anleitung entsprechend das kleine Knöpfchen im Satelliten gedrückt und tada:

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Das Ding hat sich jetzt problemlos nach Anleitung programmieren lassen und tut nun was es soll. Ich muss es nun nur noch in der Nähe des Fernsehers anbringen und die Streiterei über den Standbyverbrauch des Fernsehers hat sich endlich erledigt 🙂

Fazit

Jetzt wo ich weiß wie das Ding im Inneren funktioniert, finde ich das Gerät eigentlich ganz sinnvoll. Es ist nämlich tatsächlich so, als hätte man den Stecker vom Fernseher aus der Steckdose gezogen – per Fernbedienung. Natürlich muss einem bewusst sein dass das Gerät im eingeschalteten Zustand zusätzlich etwas Strom verbraucht (um den Akku wieder zu laden). Da der Fernseher aber in einem Verhältnis von schätzungsweise 8:1 mehr aus als an ist, erwarte ich keine Verluste. Natürlich spart die „Frauen-Variante“, den Kasten manuell aus zu schalten, ein Quäntchen mehr Energie, killt aber jeden Komfort den einem die Fernbedienung bieten sollte (siehe Video von Mario Barth).

 

Nachtrag

Leider ist genau der in der Anleitung beschriebene Fall eingetreten: Bei Verwendung der Fernbedienung des Fernsehers reagiert das Ding auf jeden der Knöpfe – egal wie oft man neu programmiert. Wahrscheinlich hat das Ding einen begrenzten Speicher für die Länge des Kommandos auf welches es reagiert. Sendet nun die Fernbedienung zu Beginn eines jeden Kommandos die gleiche Abfolge, so reagiert das Ding fälschlicherweise auf jeden Knopf der Fernbedienung. In der Anleitung wird empfohlen in einem solchen Fall den Empfänger an einen Ort abseits des Fernsehers zu montieren, sodass man die Fernbedienung je nach gewünschter Funktion in die eine oder andere Richtung richten muss. Dass dies jedoch nur zu Chaos führt war sich wohl selbst der Hersteller bewusst, weshalb als Alternative eine spezielle Fernbedienung, eigens zum Bedienen dieses Geräts, empfohlen wird.

Eine alternative Fernbedienung habe ich auch:

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So findet selbst diese uralte Schlüsselanhänger-Universalfernbedienung einen Zweck. Und zwar per Tape an der eigentlich Fernbedienung des Fernsehers fest gemacht:

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Nun kann ich mit der großen Fernbedienung weiterhin wie gewohnt den Fernseher bedienen und mit der kleinen die Steckdose an und aus schalten. Gewünschte Funktionalität erreicht 🙂

Ein Gedanke zu “Strom sparen am Fernseher

  1. Gute Ideen, die du da aufzeigst. Ich benutze für genau den gleichen Zweck eine Harmony One Fernbedienung in Verbindung mit Funksteckdosen. Damit habe ich mir mein ganzes kleines „Reich“ automatisiert und mit mehrstufigen Ein- und Ausschalteprozessen versehen. Hat etwas gedauert, klappt nun aber einwandfrei für Receiver, TV, Konsolen, Beleuchtung, PC etc. Und wenn ich Geräte nicht benötige, werden diese einfach über die entsprechende Funksteckodse komplett abgeschalten anstatt in den Standby.

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