Smartphone am Fahrrad

Früher freute man sich wie ein Schnitzel wenn man einen „Tacho“ am Fahrrad hatte. Das Durchschalten der verschiedenen Funktionen des „Fahrradcomputers“ war das Größte 😀

Heutzutage trägt jeder einen echten Hochleistungsrechner mit sich in der Tasche herum, das Smartphone. Auf dem Fahrrad ist ein solches Teil aber eher nervig. Es neigt dazu aus der Tasche zu fliegen, drückt und ist unbequem – ganz besonders mein 5,5 Zoll Oschi. Trotzdem hatte ich es auf meinen ersten Radtouren immer dabei um mitten im Wald mal schnell auf Google Maps schauen zu können. Als ich dann das zweite Mal die Situation hatte dass genau dann als ich es wirklich hätte brauchen können kein Handynetz zu empfangen war, machte ich mich auf die Suche nach einer besseren Lösung. Es musste eine Offline-Karte aufs Handy.

Offline-Karten

Vor vier Jahren, als ich das Geocachen für mich entdeckte, habe ich das MIDlet TrekBuddy benutzt. Zu der Zeit habe ich noch mein altes Sony Ericsson C905 benutzt. Also kein Smartphone, sondern ein „Feature phone„. TrekBuddy kann Karten die zuvor auf die Speicherkarte geladen wurden anzeigen. In Verbindung mit einem GPS Empfänger verschiebt das Programm einfach die Karten so, dass der Cursor in der Mitte des Bildschirms an der richtigen Stelle auf der Karte sitzt. Relativ simpel, aber funktionierte prima.

Das Programm gibt es inzwischen auch für Android Smartphones. Das Konzept hat jedoch eine gravierende Schwäche: Für jede Zoomstufe müssen alle Kartenkacheln vorab herunter geladen werden. Dies frisst unheimlich Speicherplatz. Es lässt sich zwar relativ Bequem mittels MOBAC vor jeder Tour eine passende Karte generieren, aber diesen Aufwand will ich mir eigentlich nicht machen.

Neben TrekBuddy gibt es aber noch unzählige weitere Karten-Apps im Play Store. Und ich habe mir fast alle davon installiert. Hängen geblieben bin ich dann bei OsmAnd. Die App arbeitet sowohl mit Kartenkacheln die sie direkt über das Internet bezieht, kann aber auch mit Vektordaten selbst Kartenausschnitte beliebiger Zoomstufe generieren. Die einzelnen Verktorkarten-Pakete sind in Bundesländer unterteilt und die für mich relevanten Teile Baden-Württemberg und Bayern sind zusammen etwa 1GB groß. Darin enthalten sind dann aber alle Informationen von Open Street Map bis hinunter zu den kleinsten Zoomstufen. Also selbst kleine Trampelpfade werden dargestellt.

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In der kostenlosen Variante lassen sich insgesamt bis zu zehn Kartenpakete herunterladen. Das reicht fürs erste locker aus. In der unbegrenzten Vollversion kostet die App dann knapp sieben Euro. Ein kleines Upgrade habe ich mir aber jetzt schon geleistet: Höhenlinien (für 2,50€)

Gerade beim Fahrrad fahren will ich wissen ob der Weg steil bergauf oder flach um den Berg herum führt. Mit dem kleinen Upgrade klappt auch das problemlos:

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Als kleines optisches Schmankerl lassen sich die Höhenunterschiede auch noch schön Schattieren. In der Vektor-Variante werden die Schattierungen aber nicht so schön gleichmäßig dargestellt. Deshalb habe ich für den „Hillshade“ die Online-Variante gewählt. Sollte ich nun draußen in der Natur kein Netz haben fehlt dieses Optik-Feature einfach.

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Was die darstellbaren Kartenlayer angeht ist die App jedenfalls extrem flexibel:

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Und auch in der Dartellung (Zoomstufen, Vergrößerung, Farbgebung) lässt sich unheimlich viel anpassen.

Navigation

Aber die App kann noch viel mehr. Für mich interessant: Offline-Navigation. Ich habe viel herumprobiert und ja, das Ding kann navigieren. Nur beachtet der Algorithmus weder die Steigung der Strecke, noch die Größe der Straße. Und so navigiert die App munter über eine Landstraße obwohl zehn Meter daneben ein schöner Radweg verläuft.

Wieder habe ich nach einer ordentlichen Lösung gesucht. Diesmal wurde die Luft aber sehr dünn. Mit BRouter bin ich dann aber fündig geworden. Eine Navi-Lösung die es erlaubt eigene Kostenfunktionen zu definieren um somit das Routing zu beeinflussen. Es existiert zwar auch eine Variante fürs Handy, aber da fehlt das in der Web-Variante wählbare Profil „safety“. Dies führt nämlich dazu dass nach Möglichkeit Straßen mit wenig Verkehr gewählt werden. Das finde ich sehr angenehm wenn einen nicht ständig Autos überholen.

Wie in nachfolgendem Screenshot schön zu sehen, navigiert BRouter über die Feldwege statt über die Landstraße.

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Man kann auch das Höhenprofil der Route sehen und, falls gewünscht, die Route entsprechend Abändern. Ich lade mir dann die so berechnete Route als *.gpx Datei aufs Handy und aktiviere sie als Overlay. Das funktioniert prima.

Für ’nen 10er habe ich noch eine wasserdichte Halterung fürs Handy an den Fahrradlenker besorgt. Hier ist die Größe meines Smartphones wegen der besseren Ablesbarkeit wieder mal ein echter Vorteil. So habe ich die Karte bei Touren durch unbekanntes Gebiet bequem im Blick und das Ding ist während der Fahrt aufgeräumt und kann nicht aus der Tasche fallen. Bei praller Sonne lässt sich das Display zwar schwer ablesen, aber bisher war das kein wirkliches Problem. Der Akku hält bei dauerhaft angeschaltetem Display etwa vier Stunden – für meine bisherigen Touren ausreichend.

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Aufzeichnen von Touren

Um nach einer längeren Tour noch nachvollziehen zu können wo man lang gefahren ist lassen sich die GPS Positionsdaten aufzeichnen. Anfangs habe ich die App „My Tracks“ von Google benutzt. Das hat im Urlaub immer gereicht um zurück am Campingplatz die zurückgelegte Strecke nochmal zu betrachten. Beim Versuch diese Daten am PC weiter zu verarbeiten habe ich aber erst bemerkt dass diese App die Daten als KML (das Google Earth Format) und nicht als gpx speichert. Eine weitere App, deren Funktionalität aber schon weit über das reine Aufzeichnen hinaus geht, ist OSMTracker. Vor zwei Jahren hatte diese App noch das Problem dass sie von Android nach etwa einer halben Stunde automatisch beendet wurde wenn der Bildschirm aus war. Das hat sich inzwischen gelegt und man kann damit nicht nur die zurück gelegte Strecke aufzeichnen, sondern auch interessante Orte markieren und mit Fotos, Text oder Sprachaufzeichnungen für das spätere Reisetagebuch versehen. Für Leute die an der Verbesserung der Open Street Map Karten mithelfen wollen ist das sicher hilfreich. OsmAnd besitzt zwar auch die Möglichkeit die gefahrene Route aufzuzeichnen, aber die Bedienung dieser Funktion hat mir nicht gefallen. Ich will einfach nur auf Start und Stopp drücken, fertig. Mit dieser Anforderung bin ich letztendlich bei der App GeoTracker hängen geblieben. Eine App die die Häufigkeit der Punkte in sinnvollen Abständen macht (also nur eine Markierung setzt wenn tatsächlich notwendig) habe ich leider nicht gefunden. So sähe das aus:

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Beim GeoTracker sind zwar alle Ortsnamen in Russisch, das stört die Funktion aber in keinster Weise. Neben einem einfachen Record und Stopp Knopf bietet diese App eine Übersicht über die wichtigsten Daten der zurück gelegten Route. Außerdem lassen sich die aufgezeichneten Dateien super simpel über den „Teilen“-Knopf per Dropbox-App bequem auf den PC transferieren wo sie weiter ausgewertet werden können.

GeoTracker Screenshot (Quelle: Google Play Store)

Diese App lasse ich beim Radfahren einfach im Hintergrund laufen. Auf lange Sicht will ich mit diesen Daten dann visualisieren wie sich meine Ausdauer (hoffentlich) verbessert hat.

Auswerten von aufgezeichneten Strecken

Noch habe ich nicht die für meine Zwecke perfekte Software zur Auswertung gefunden. Bisher habe ich mit der GPS-Track-Analyse.NET und GNavigia herumgespielt. Beides sehr mächtige Tools und dementsprechend nicht ganz so intuitiv wie ich mir das wünschen würde. Die 3D-Darstellung sieht schonmal ziemlich cool aus:

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Mit HRMProfil soll es angeblich möglich sein zwei Aufzeichnungen der gleichen Strecke gegeneinander antreten zu lassen um somit zu sehen wann man an welcher Stelle schneller oder langsamer war. Ausprobiert habe ich das aber (noch) nicht.

Fazit

Das Smartphone am Fahrrad macht auf jeden Fall Spaß. Bei längeren Touren frei Schnauze durch den Wald konnte es mir schon öfters den Weg zurück zeigen – und zwar ohne Internetverbindung zu benötigen. Die Planung größerer Radtouren mit BRouter verläuft meistens gut. Der Teufel steckt dann im Detail. So hat mich BRouter schon paar Mal durch Fußgängerzonen geleitet, was mit dem Fahrrad natürlich dämlich ist. Es hat sich außerdem herausgestellt dass bei Fahrten von Ortschaft zu Ortschaft die offiziell ausgeschilderten Radwege meist die beste Route darstellen. Logisch, da wird sich ja wohl jemand schon einmal Gedanken gemacht haben bevor die Schilder aufgestellt wurden.

Die Genauigkeit von GPS ist mir für Geschwindigkeit und zurückgelegte Wegstrecke zu ungenau (besonders bei steilen Bergen oder im Wald bei schlechtem Empfang). Deshalb habe ich mir zusätzlich doch noch einen normalen Tacho ans Fahrrad geklemmt.

Das Aufzeichnen der zurückgelegten Strecke finde ich eine nette Spielerei und es macht Spaß daheim nochmal nachvollziehen zu können wo man lang gefahren ist und anhand dessen fürs nächste Mal eine (teilweise) abweichende Route zu planen. Interessant wäre jetzt noch das gleichzeitige Aufzeichnen von Steigung und Herzfrequenz. Dafür sind zwar schon Lösungen mit Bluetooth Smart am Markt, das ist mir jedoch zu teuer. Vielleicht bastel ich da irgendwann mal was. Inspiration gibt’s ja genug 🙂

Zusammenfassend bleibt zu sagen dass das Smartphone am Fahrrad eine nette Spielerei und im Wald abseits vom Handynetz durchaus hilfreich sein kann. Wer aber sowieso nur auf befestigten und offiziell ausgeschilderten Radwegen unterwegs ist braucht das eigentlich nicht.

4 Gedanken zu “Smartphone am Fahrrad

  1. GNavigia ist deshalb so kompliziert, weil das Programm so viel kann. Es ist als ein Auswerteprogramm für Skigebiete (Pistenlängen, Tageskilometer) entstanden, zur Fehlerbereinigung, und druckt folgerichtig Landkarten. Dazu ist es Google- und Bing-frei. Das erfordert Konfiguration, ob man will oder nicht.

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